SEID BARMHERZIG, WIE AUCH EUER VATER BARMHERZIG IST. Lukas 6.36
Freundeskreis Ndolage Freundesbrief Nr.1-2003
Ndolage Hospital P.O.Box 34
Kamachumu
Kagera-Region
Tanzania
21.6.2003
Liebe Freundinnen und Freunde Ndolages!
In einigen Wochen jährt es sich zum 75sten Male der Baubeginn unseres
Krankenhauses. Es war der deutsche, von der Bethel-Mission ausgesandte Arzt Dr.
Friedrich Kröber, der das erste Krankenhaus in der ganzen Region gründete. Auf
Grund seiner großen Leistung für die Gesundheit der Bevölkerung wurde er bei
seinem Abschied mit dem Ehrentitel „Retter der (königlichen) Trommel“, also
Retter der Nation, ausgezeichnet.
Seit der Trockenzeit des Jahres 1928 hat sich vieles verändert, viele
weitere Krankenhäuser sind in der Region gebaut worden, alte Krankheiten wie
Pocken, Lepra, Schlafkrankheit sieht man nicht mehr, neue Bedrohungen wie AIDS
sind dazugekommen.
Ndolage ist nun ein Krankenhaus
der Nord-West-Diözese der Evangelisch-Lutherischen Kirche Tansanias mit 220
Betten, in dem durchschnittlich 200
stationäre Patientinnen und Patienten betreut werden. Im Jahr werden 1240
Entbindungen betreut und 1085 größere Operationen durchgeführt. Im direkten
Einzugsbereich des Krankenhauses leben
130.000 Menschen, es ist jedoch gleichzeitig das einzige Krankenhaus der
gesamten Region westlich des Viktoria-Sees (2.000.000 Einwohner), in dem eine
fachärztliche Betreuung in den Gebieten Augenheilkunde, Chirurgie sowie
Frauenheilkunde und Geburtshilfe angeboten wird. Geleistet wird die Arbeit
durch 162 Mitarbeiter, davon 6 Ärzte (Augenarzt, Gynäkologe, Chirurg, Zahnarzt
und 2 Allgemeinärzte), 5 Hilfsärztinnen und Hilfsärzte, 54 Krankenschwestern
und Pfleger (die meisten sind gleichzeitig Hebammen). Auch eine landesweit
bekannte Krankenpflegeschule gehört zu dem Krankenhaus.
Die Bevölkerung lebt hauptsächlich von der Landwirtschaft und ist von
dem Verfall der Kaffeepreise stark betroffen. Viele Menschen freuen sich, wenn
sie für einen Arbeitstag 1,50 Euro bekommen, eine qualifizierte Krankenschwester
verdient 45,- bis 65,- Euro im Monat. Die Kosten für eine Krankenhausbehandlung
erscheinen aus mitteleuropäischer Sicht gering, sind aber für viele Menschen
hier unbezahlbar. So kostet ein Kaiserschnitt dem Krankenhaus über 40,- Euro,
wir können aber nur 10,- Euro verlangen. Sonst würden viele Mütter unter
Lebensgefahr zu Hause bleiben, bis es zu spät ist.
Als christliches Hospital fühlte sich Ndolage stets besonders dem
Dienst an den Armen verpflichtet. Besonders durch die großzügige Unterstützung
von Organisationen wie der Vereinten Evangelische Mission (VEM) und mehrerer
skandinavischer Missionen konnten wir die Patientengebühren niedrig halten.
Während der letzten Jahre kam es zu einem Rückgang der Unterstützung und
gleichzeitig verarmte die Dorfbevölkerung durch den Verfall der Kaffeepreise.
Uns war es nicht möglich, die Patientengebühren auch nur an die Inflation
anzupassen und alle unsere finanziellen Reserven wurden aufgebraucht. Anstehende
Lohnerhöhungen wurden mehrmals verschoben. Ein anderes Problem ist der
Ärztemangel. Der leitende Arzt war für fünf Jahre zur Erwerbung der
Facharztanerkennung als Gynäkologe und Geburtshelfer in Südafrika und für die
allgemeine Patientenversorgung standen drei Allgemeinärzte auf dem Stellenplan.
Auf Grund der vielfältigen anderen Verpflichtungen, wie der Betreuung einer
großen Ambulanz in der Provinzhauptstadt, waren immer nur ein oder zwei Ärzte anwesend,
um die Nachtdienste abzudecken und anschließend die 200 stationären und
zusätzlich die ambulanten Patientinnen und Patienten zu versorgen. Auch alle
anderen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen setzten sich bis an den Rand ihrer
Kräfte ein. So haben bis heute die Op-Schwestern und Pfleger zusätzlich zur
normalen Tagesroutine jede zweite Woche durchgehend Bereitschaftsdienst. Eine
große Hilfe sind weiterhin unsere treuen Freunde aus Übersee, die uns auf
verschiedenste Weise nicht nur materiell unterstützen. Besondere Anerkennung
verdient ein 77-jähriger schwedischer Chirurg, der jedes Jahr für zwei
dreimonatige Einsätze nach Ndolage kommt. So konnte das Krankenhaus durch
Gottes Hilfe bis heute überleben.
Nach fünf schwierigen Jahren können wir nun Fortschritten und einem
neuen Aufbruch berichten. Der Chefarzt ist nach erfolgreichem Abschluss seiner
Facharztweiterbildung zurückgekehrt, die Missionsgesellschaften konnten wieder
qualifizierte Mitarbeiter aussenden (ein schwedischer Unternehmensberater half
von Oktober 2002 bis Februar 2003 bei der Modernisierung der Verwaltung und die
VEM schickte im August 2002 einen Chirurgen) und Dank der langfristigen
Personalplanung der Diözese erwarten wir im September zwei frisch graduierte
Ärzte . So können wir uns nun wieder der Zukunft zuwenden. Das wichtigste
Projekt ist es, die Übertragung des AIDS-Virus von der Mutter auf das Kind zu
verhindern, indem allen infizierten Schwangeren das Medikament Nevirapin
gegeben wird. Gleichzeitig wollen wir mit der gezielten und sehr effektiven
Behandlung von AIDS-Patienten mit antiretroviralen Medikamenten beginnen. Ein
anderes Projekt ist der Aufbau eines „Ressource-Centers“, also eines Institutes
zu Verbesserung der medizinischen Ausbildung in der hiesigen Kagera-Region und
zur wissenschaftlichen Auswertung von Projekten zur Verbesserung der
medizinischen Versorgung im ländlichen Afrika.
Trotz aller dieser Perspektiven machen uns zwei Dinge Sorgen: Das
wirtschaftliche Überleben des Krankenhauses ist weiterhin gefährdet. Bedingt
durch ihre Armut warten viele zahlungsunfähige Patienten so lange, bis sie zum
Teil extreme Komplikationen bekommen. Diese sind nicht nur für die Patienten
katastrophal, sondern führen auch zu einer weiteren finanziellen Belastung für das Krankenhaus. Andere
Patienten sehen keine andere Möglichkeit, als sich ohne Bezahlung aus dem Staub
zu machen. Es ist bedrückend, dass unser „Poor-Patients-Fund“, also die Kasse,
aus der die Behandlung besonders armer Leute bezahlt werden soll, nahezu leer
ist.
Währen der Diskussionen über die Fortentwicklung des Krankenhauses
hatten wir den Eindruck, dass der Kontakt zu unseren überseeischen Freundinnen
und Freunden verbessert werden sollte. Aus diesem Grund wollen wir nun zweimal
jährlich diesen Freundesbrief versenden um so eine dauerhafte Beziehung zu
ermöglichen. Eine eigene Internetseite mit der Möglichkeit auch zum Austausch
zwischen uns und Ihnen ist in Arbeit. Wir wollen Sie über die aktuellen
Entwicklungen informieren und auch die Aktivitäten unserer Unterstützer und
Unterstützerinnen bündeln, um sie so effektiver zu machen. Eine große Hilfe ist
es für uns, dass die VEM in Wuppertal uns durch die Einrichtung eines
Spendenkontos und die Übernahme der damit verbundenen Verwaltungsaufgaben
unterstützt.
Wir freuen uns darauf, von Ihnen zu hören!
Wir grüßen sie ganz herzlich aus Ndolage!
Dr. Onesmo Rwakyendela, Chefarzt Dr. Frank Beier, Chirurg
Spendenkonto: Vereinte Ev. Mission, Evangelische Darlehngenossenschaft
Münster, BLZ 400 601 04, Konto-Nr.: 563 701, Verwendungszweck: Kennwort
Ndolage-NWD und komplette Adresse für die Spendenbescheinigung (Wenn die
Adresse nicht unter „Verwendungszweck“ steht, wird sie nicht übermittelt!) PS:
Daueraufträge geben uns eine größere Planungssicherheit
Kontakte:
Krankenhauszentrale: ndolage@mail.bukobaonline.com
Dr. Onesmo Rwakyendera: Onesmor2000@yahoo.co.uk
Dr. Frank Beier: SilkeFrankB@web.de